Für das Verbandsmagazin des Bremer Journalistenverbandes DJV habe ich einen Beitrag über die Arbeit von Pressesprechern in Norddeutschland verfasst. Hier ein kleiner Vorgeschmack, das Heft erscheint im Januar 2016:

Über zwanzig Jahre galt sie als eine der scharfzüngigsten und meinungsstärksten Kulturjournalistinnen Bremens, vor einem Jahr dann der Paukenschlag: Alexandra Albrecht, Redakteurin beim Flaggschiff Weser Kurier, wechselte „auf die andere Seite“, kündigte ihren Posten im Bremer Pressehaus und wurde überraschend Sprecherin der Bremer Staatsrätin für Kultur Carmen Emigholz. „Seit einem Jahr arbeite ich nun in dieser Behörde, und ich habe es nicht bereut“, sagt die 51-jährige Albrecht in ihrem Büro am Bremer Altenwall mit Blick auf Kunsthalle, Wall und Weser. „Diese Entscheidung war reiflich überlegt. Ich wollte nach so vielen Jahren Weser Kurier eine neue berufliche Herausforderung.“

 

Rezensierte Alexandra Albrecht zuvor Performances am Theater, kommentierte die Versteigerung staatlichen Kunstbesitzes oder befragte den Kunsthallen-Direktor zum strukturellen Defizit seines Hauses, schreibt sie nun Pressemitteilungen über Besucherzahlen im Bremer Übersee-Museum, organisiert Interview-Termine mit dem Radio Bremen-Nachrichtenformat „buten un binnen“ oder beantwortet Presseanfragen zum neuen Sparplan der Weserburg, einem umstrittenen Museum für moderne Kunst am Weserufer. „Ich gebe zu, die Umstellung war nicht leicht. Wenn man vom Journalismus kommt, muss man diese Tätigkeit regelrecht erlernen“, erzählt die Pressesprecherin, die ihre Laufbahn vor 23 Jahren als Freie beim Weser Kurier begann. „War ich früher hauptsächlich mit Rezensionen, also Meinungstexten, beschäftigt, fragt mich heute kaum noch jemand nach meiner Meinung. Ich bin das Sprachrohr für andere, muss mich als Person sehr zurücknehmen.“

 

Dass sie als Journalistin ins Sprecherinnenamt gekommen sei, bringe keine Nachteile, findet Alexandra Albrecht. „Eigentlich gibt es nur Vorteile, zum Beispiel dass ich sehr gute Kontakte in die Medien- und Kulturszene Bremens habe und weiß, wie der Arbeitsalltag von Journalisten abläuft.“ Aus geänderter Perspektive beobachtet die Pressesprecherin heute, was sie als Journalistin hautnah miterleben musste: „Die Arbeitsbelastung in den Redaktionen hat massiv zugenommen.“ (…)

Foto: Carsten Kling