Für das Hochschulmagazin audimax habe ich einen Erdbebenforscher porträtiert, hier ein kleiner Auszug: Naturwissenschaftler, die in der Erdbebenforschung tätig sind, werten vor allem Daten am Computerbildschirm aus – doch manchmal sprengen sie reale Erdhaufen in die Luft, um Wellenbewegungen eines Bebens zu simulieren. audimax hat einen Nachwuchs-Seismologen beim Schweizerischen Erdbebendienst in Zürich besucht.

„Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet zum Berg kommen“, lautet ein arabisches Sprichwort aus dem 17. Jahrhundert und meint: Manchmal muss man unveränderliche Begebenheiten einfach annehmen. Wie bitter das sein kann, und dass zugleich das Sinnbild des unverrückbaren Berges im wahren Leben nicht haltbar ist, zeigte das historische Erdbeben der Stärke 8,7 vom 25. April in Nepal. Die Menschen dort wurden von einer unabwendbaren Naturgewalt in die Knie gezwungen, die 8.700 Leben kostete. Gleichzeitig erstellten Geoforscher einen sensationellen Befund: Der Gipfel des Mount Everest ist von dem schweren Erdbeben regelrecht verrückt worden. Das nordöstlich verlaufende Massiv des höchsten Bergs der Erde ist drei Zentimeter nach Südwesten gewandert, bestätigte die chinesische Kartographiebehörde.

Nepal und die ganze Himalayaregion sind ein stark durch Erdstöße gefährdetes Gebiet, die durch ruckartige Verschiebungen von Gesteinsschollen im tieferen Bereich der Erdkruste entstehen. Am Himalaya drückt die Indische Platte von Süden gegen Afghanistan und Tibet auf die der Eurasischen Platte. An der Nahtstelle von Pakistan über Nepal bis Myanmar bebt deshalb häufig die Erde. Zahlreiche Erdbebenforscher untersuchen dieses Phänomen seit vielen Jahren, doch klare Vorhersagen können sie nicht treffen. In Italien wurden vor vier Jahren sogar sieben Wissenschaftler wegen Totschlags angeklagt, weil sie vor dem katastrophalen Erdbeben von L’Aquila am 6. April 2009 nicht gewarnt haben. Unter waren sind vier Direktoren von angesehen Forschungsinstituten.

„Erdbeben sind eben unberechenbar – auch in der Wissenschaft“, weiß Marcus Herrmann (27), Seismologe am Schweizerischen Erdbebendienst in Zürich. Trotzdem hat der studierte Geophysiker die Erforschung dieser Form von Naturereignis zu seiner Aufgabe erkoren: „Ich habe beim Schweizerischen Erdbebendienst mit einem Praktikum begonnen – und einem konkreten Forschungsziel: zukünftige Erdbebenkatastrophen abmildern“, erzählt Herrmann. „Mir geht es darum, Erdbeben und deren Auswirkungen besser zu verstehen.“ Mit seiner Arbeit möchte Marcus Herrmann das Bewusstsein über die Gefahr, die von Erdbeben ausgeht, in der Öffentlichkeit schärfen. „Leider sind konkrete Aussagen über zukünftige Erdbeben mit großen Unsicherheiten behaftet. Wir können nur eine Prognose machen. Aber es hilft ja schon, darüber Bescheid zu wissen, wer oder was im Falle einer Erdbebensequenz betroffen ist, was noch folgen kann, was zu tun ist.“

Wie wird man Erdbeben-Forscher? Marcus Herrmann hat Geophysik an der TU Bergakademie in Freiberg studiert, heute trägt er den Titel „Master of Science“, bezeichnet sich aber lieber als Seismologie…

https://www.audimax.de