Jules Verne stellte sich vor 150 Jahren urzeitliche Saurier und Riesen-Pilze im Erdinneren vor. Heute wissen wir, dass es dort feurig aussieht – und gigantische Magnetkräfte wirken. Für das Kundenmagazin des Unternehmens Hansa-Flex habe ich einen Artikel darüber geschrieben, dass unser Nordpol immer mehr nach Süden wandert – das „Eiern“ des unförmigen Planeten ist schuld daran. Doch laut neuster Forschung trägt auch der Klimawandel dazu bei. Was passiert, wenn – wie zuletzt vor 750.000 Jahren – die Erde umklappt und der Nordpol mit dem Südpol die Stellung wechselt? Hier ein Auszug:

Als Jules Verne vor 150 Jahren „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ schrieb, phantasierte er im Erdinneren ein unterirdisches Meer, riesenhafte Pilze und urzeitliche Tiere. Heute wissen wir dank moderner Forschung, dass es dort ganz anders aussieht: Unterhalb von 2.900 Kilometer Tiefe wabert ein heißer flüssiger Erdkern hin und her. Weil dieser Kern zur Mitte hin heißer ist als außen am Erdmantel, ist die Flüssigkeit in ständiger Bewegung, ähnlich wie brodelndes Wasser in einem Kochtopf. Und weil dieser flüssige Erdkern vor allem aus Metall und damit aus leitender Materie besteht, wird seine Bewegungsenergie in elektrische Energie umgewandelt, die starke magnetische Felder erzeugt, die sich gegenseitig beeinflussen: Diese magnetischen Felder kennen wir als Südpol und Nordpol – der nördliche Pol zieht alle unsere Kompassnadeln an.

Die Pole tauschen die Plätze

Nun haben Forscher eine kleine Sensation herausgefunden: Unser Nordpol wandert jährlich rund 50 Kilometer weiter nach Süden, inzwischen fünf Mal so schnell wie noch vor 30 Jahren. Derzeit zwischen Nordostkanada und Grönland gelegen, könnte der magnetische Nordpol nach Einschätzung von Forschern bis zum Jahr 2050 Sibirien erreichen. Warum ist das so?

Forscher bauen Erde als Modell nach

Um das herauszufinden haben Forscher im Labor ein Modell des Erdinneren gebaut, um die Vorgänge zu simulieren, die unser Magnetfeld hervorrufen. Im Labor konnten die Forscher ihren Mini-Erdkern jedoch nicht mit einem real entsprechenden Eisen-Nickel-Gemisch nachbilden, da dieses nur bei Extremtemperaturen flüssig ist. Stattdessen nutzten sie Natrium, das bei 120 Grad Celsius in Bewegung ähnliche Eigenschaften wie das rund 4000 Grad heiße Eisen-Nickel-Gemisch im Erdinneren aufweist. Im Experiment passierte etwas Erstaunliches mit der Labor-Erde: Das Magnetfeld stellte sich immer wieder auf den Kopf – das heißt: Nord- und Südpol wanderten aufeinender zu und wechselten ihre Plätze.

Die Erde kippt um

Wie kommt das? Die Erklärung der Forscher: Unser Planet ist keine symmetrische Kugel, sondern gleicht eher einer knolligen Kartoffel, die zahlreiche Dellen aufweist. Aufgrund dieser Asymmetrie, „eiert“ die Erdachse. Hinzu kommt, dass der Globus kein starrer Körper ist, sondern aufgrund der im Erdinneren vorhandenen Flüssigkeit eine gewisse Elastizität aufweist. Dieses „Eiern“ wirkt sich auf die Verteilung der elektromagnetischen Energie aus – und auf die sich über Jahrtausende dauernde Verschiebung der magnetischen Pole.

Das letzte Umklappen der Pole ereignete sich vor etwa 750.000 Jahren. Doch laut aktueller Forschung steht jetzt ein neuer Polsprung bevor – das Wort „jetzt“ ist relativ: Insgesamt dauert ein solcher Vorgang etwa 1.000 bis 2.000 Jahre. Das Magnetfeld könnte dann kippen. Aus Nord würde Süd. Die Kompassnadel würde plötzlich nach Süden zeigen.

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