Im Jahr 1951 ist diese Filmkritik in der schwedischen Tageszeitung Svenska Dagbladet erschienen, für die Monographie der Deutschen Kinemathek über Ingmar Bergman habe ich sie erstmals ins Deutsche übersetzt. Ich stimme dem ungenannten Verfasser übrigens überhaupt nicht zu, der den Film „Einen Sommer lang“ als weitschweifig und planlos bezeichnet. Aus meiner Sicht ist „Sommarlek“ einer der schönsten Filme aller Zeiten. Egal, ich habe diese zeitgenössische Kritik trotzdem gern übersetzt:

Sommarlek ist zu großen Teilen eine die Sinne überwältigende Stimmungsmalerei. Noch schöner und intensiver in Bild und Ton geht es einfach nicht! Junge Liebe und schwedischer Sommer mit allem, was dazu gehört: Berauschende Lebensfreude und sanftes Wellengeplätscher, hektisches Ausleben und Sonnenhitze – und immer dabei die Angst. Die Angst vor dem Tod und dem Unbekannten, die Angst vor dem Herbst und der Dunkelheit. Eine Angst, die in einer Rhapsodie eingefangen wird, die in Ingmar Bergmans Schaffen unvergleichlich ist. Mit seinem üblichen Überschwang zerreißt Bergman jene Stimmung, die er zunächst hervorgerufen hat. Er zerreißt das dahinschmelzende Sommeridyll und die tagesfrische Liebespoesie, indem er die jungen Liebenden in einem unbeholfenen, harten Jargon reden läßt. Und genau daran scheitern die Teenager, die sich um jeden Preis von ihren Gefühlen befreien müssen, um „keck“ zu bleiben, immer auf der Höhe der jeweiligen Situation. Sie sind beneidenswert, unerträglich, und sie rühren zu Tränen, der Student und die Ballettschülerin in ihrem sommerlichen Spiel – ein glitzerndes Sommerabenteuer, das im Tal der Todesschatten endet. (…)

 

Das Herz des Drehbuchautoren blutet für die jungen Liebenden, und er zwingt die Zuschauer, diese Gefühle mit ihm zu teilen. Nun sind Autor und Regisseur ein und dieselbe Person: ein Magier des Kinos.

 

Das Sommerspiel währt nicht ewig. Als aufsteigende, wehmütige Erinnerung der Balletttänzerin kehrt es zurück, als ihr das Tagebuch aus längst vergangenen Tagen in die Hände fällt. Ihre aktuelle Wirklichkeit ist weder hell noch romantisch, sie ist hart und schäbig. Und leider gleitet Bergman diese Auflösung der Erzählung aus den Händen, sie wirkt weitschweifig und planlos, wenn Bergman seiner Marie am Ende ein aufschimmerndes neues Glück an der Seite eines Journalisten-Lackaffen gönnt, der von Beginn an höchst unsympathisch gezeichnet wird. Seiner Art getreu versieht Bergman seine Geschichte mit gewagten Handlungsumschwüngen, aber diese ist schwer verdaulich. Das ist bedauerlich für eine Filmerzählung, die sonst vor außerordentlichen Höhepunkten strotzt! (…)

 

Gunnar Fischers Kameraarbeit ist unendlich viele Blumen wert, bravo, bravo, bravo! Und eine bezauberndere Mischung aus Stille und Geräusch, aus Vogelgesang, Wellenschlag, seufzendem Wind und delikat einschmeichelnder Musik habe ich niemals zuvor in einem schwedischen Film erlebt.